Kirgisische Küche: Für Fremde gewöhnungsbedürftig

18.12.2017*

von Aishat Sharshekeeva, Altynai Kaldarbekova

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Gerade für Touristen sieht die kirgisische Küche erstmal ungewöhnlich aus. Das typische Essen unterscheidet sich ziemlich stark von anderen Gerichten weltweit. Doch was macht es so besonders? Und vor allem – wie schmeckt es? Um diesen Fragen nachzugehen, haben wir mit einer echten kirgisischen Hausfrau gesprochen und eine Touristin zum Geschmackstest eingeladen.

In den kirgisichen Nationalgerichten spiegelt sich viel von der Geschichte und der Kultur des Volkes wider. Die Viehzucht war lange Zeit Hauptbestandteil des kirgisischen Lebens, weil die Menschen als Nomaden durch das Land zogen. Deshalb sind Milch und Fleisch die Grundlage für viele Gerichte und kommen noch heute täglichen auf den Tisch. Wir stellen zunächst die Hauptzutaten der kirgischen Küche vor.

Was gehört auf einen typisch kirgisischen Mittagstisch? Erstens Fleisch.

Das Fleisch nimmt einen besonderen Platz in der nationalen Küche Kirgistans ein. Zu jeder Feier – sei es ein religiös oder familiäres Fest oder ein historischer Gedenktag – schlachtet man in Kirgistan traditionellerweise ein Tier, meistens einen Hammel. Beliebt sind aber auch Rind-, und Pferdefleisch. Vor allem die Gerichte aus Pferdefleisch gelten als Delikatesse.

Zweitens Milch und Milchprodukte

Die Auswahl an Milchprodukten ist erstaunlich groß hierzulande. In Kirgistan wird nämlich nicht nur Kuhmilch verarbeitet, sondern auch Stutenmilch. Daraus machen die Kirgisen dann verschiedene Joghurtsorten, Käse, Sahne oder die bekannten salzigen Kurut-Bällchen.

Drittens Brot und Mehlspeisen

Die kirgisische Küche ist ohne Brot und Mehlspeisen undenkbar. Die Vielfalt ist so groß, dass man am Geschmack des Brotes und der Zubereitungsart sogar die verschiedenen Regionen unterschieden kann.

Sechzig Jahre Kocherfahrung

Doch was macht die kirgisische Küche noch aus? Wir haben eine echte kirgisische Hausfrau gefragt. Turduaiym Kaldarbekova kocht schon seit sechzig Jahren. Ihr Lieblingsgericht? Natürlich ein kirgisischer Klassiker.

Doch was macht die kirgisische Küche noch aus? Wir haben eine echte kirgisische Hausfrau gefragt. Turduaiym Kaldarbekova kocht schon seit sechzig Jahren. Ihr Lieblingsgericht? Natürlich ein kirgisischer Klassiker.

Weitere traditionelle Gerichte Kirgistans

Während Beschbarmak noch wie ein normales Nudelgericht aussieht, gibt es auch Speisen, die Nicht-Kirgisen erstmal skeptisch werden lassen. Wir stellen drei außergewöhnliche Essen vor.

Der Hammelkopf

Das ist tatsächlich der Kopf eines jungen Hammels, also eines männlichen Schafs. Der Kopf wird einzeln gekocht, unabhängig von den anderen Teilen des Tiers. Gegessen wird auch der Schafskopf ohne Messer und Gabel – mit den eigenen Händen. Für Gäste ist es eine große Ehre, wenn Sie den Kopf serviert bekommen.

„Außerdem sind im Hammelfleisch eine große Menge an Eiweiß“, erklärt Turduaiym Kaldarbekova, „was dieses Fleisch besonders nahrhaft macht. Dazu hat es sehr wenig Kalorien, deshalb kann man es auch während einer Diät essen. Ein weiterer Vorteil: Es ist reich an Eisen und daher sehr gut für Menschen mit einem niedrigen Hämoglobinspiegel geeignet.“

Tschutschuk

Tschutschuk ist eine weitere Fleischspeise, genauer gesagt eine Wurstspezialität. Gekocht wird es üblicherweise zu großen Feiertagen wie Nooruz, dem kirgisischen Neujahrsfest. Das Ungewöhnliche: Tschutschuk besteht aus Pferdefleisch und -fett und gilt als teuere Delikatesse. Denn Pferde werden nicht so häufig geschlachtet wie zum Beispiel Hammel. Zur Zubereitung erklärt Turduaiym Kaldarbekova: „Streng genommen soll Tschutschuk nur aus dem Fleisch und dem Fett eines Pferdes bestehen. Allerdings gibt es mittlerweile auch Varianten davon. Ich bevorzuge aber die gewönliche Tschutschuk. Zum Würzen nehme ich nur Salz, Paprika und etwas schwarzen Pfeffer.“

Boorsok

Das ist eine Mehlspeise, die für die kirgisische Küche traditionell ist, aber auch in anderen zentralasiatischen Ländern wie Kasachsten verbreitet ist. Die kleinen Teigbällchen sind rund oder rautenförmig und werden in viel Öl frittiert. Auch hier gilt wieder: Essen mit den Fingern – aber nicht zu viel, warnt unsere Hausfrau: „Durch das Fett aus dem Öl hat Boorsok sehr viele Kalorien, obwohl sie so klein sind. Es sollte also ein gelegentlicher Snack bleiben.“

Nun aber zum Geschmackstest. Valeria ist eine Touristin aus Russland und probiert kirgisische Küche zum ersten Mal. Sie durfte beherzt bei den Bällchen zulangen. Ihr Urteil:

„Der Geschmack erinnet mich ein wenig an Pasteten, wie ich sie aus meiner russischen Heimat kenne, nur ohne Füllung. Und obwohl nichts drin ist, schmecken sie erstaunlich gut. Allerdings merke ich beim Essen schon, dass hier sehr viel Öl zum Zubereiten verwendet wird.“

Valeria darf gleich weiterkosten. Denn was wäre ein traditionelles Essen ohne ein besonderes Getränk? Und auch hier haben die Kirgisen etwas ganz Spezielles im Angebot: Statt Wein oder Bier kommt hier ein leicht vergorener Getreidemix auf den Tisch.

Nationalgetränk Maksym

Der Getreidesaft „Maksym“ ist bei den Kirgisen unter anderem deshalb so beliebt, weil er Hunger und Durst gleichzeitig stillt. Denn, hier steckt eine ganze Menge drin: Wasser, Gerste, Mais, Weizen, etwas geschmalzene Butter, Weizenmehl und Salz. Diese wilde Mischung ist sogar gesund, sagt unsere Expertin: „Das haben medizinische Forschungen bestätigt. Maksym hilft beispielsweise bei Erkrankungen des Magen-Darmtraktes, bei Hämoglobinmangel und vielem mehr.“ Mit dem einzigartigen Getränk hat sich die Firma Shoro landesweit einen Namen gemacht. Der Großkonzern ist über die Grenzen von Kirgistan hinaus bekannt und viele Touristen nehmen sich eine Flasche davon mit nach Hause.

Aber – was sagt Valeria zu dem nicht gerade appetitlich aussehenden Getränk?

„So etwas habe ich noch nie gekostet. Es lässt sich mit nichts anderem vergleichen und schmeckt schon ein wenig seltsam, muss ich sagen. Doch auch, wenn der Geschmack so eigentümlich ist, mir hat er gefallen.“

Halten wir also fest: Die kirgisische Küche hält für den fremden Gaumen so einige Überraschungen bereit. Probieren lohnt sich!


Aishat Sharshekeeva, Altynai Kaldarbekova
Schülerinnen der Schule N°23 (Goethe Gymnasium) in Bischkek


Der Text ist aus einer Zusammenarbeit zwischen Novastan e. V. und dem Goethe Gymnasium im Frühling 2018 entstanden. Der Redakteur Folke Eikmeier besuchte einmal pro Woche den Unterricht und erarbeitete mit den SchülerInnen journalistische Artikel.